babyLeider gehören auch wir zu den Eltern, bei denen das mit dem Essen regelmäßig zu einem Drama wird, weil meine Tochter einfach ein richtig schlechter Esser ist. Da sie ein sehr zierlicher Typ war und immer noch ist, fällt es mir auch schwer, das Thema entspannt anzugehen. Was ich rückblickend zumindest mal versuchen würde, wäre Baby led weaning (BLW), also eine babygeleitete Beikosteinführung. Ob das bei uns geklappt hätte, weiß ich natürlich nicht, aber das Konzept, das auch in “Baby-led Weaning – Das Grundlagenbuch: Der stressfreie Beikostweg. Komplett überarbeitete und aktualisierte Neuausgabe” von Gill Rapley und Tracey Murket (Köser Verlag) erklärt wird, klingt für mich sehr nachvollziehbar und sinnvoll. Schließlich wissen wir mittlerweile alle, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat und so eben auch beim Essen. Warum also nicht das Kind bestimmen lassen, wann Flasche und Brust weichen dürfen?

Ich bin mir durchaus dessen bewusst, dass es gute Gründe gibt, das nicht so zu machen und, dass sicherlich auch nicht alle Kinder freiwillig auf den bequemen Versorgungsweg  mit Milch verzichten wollen. Bei uns war ein ganz großes Problem, dass meine Tochter noch mit 20 Monaten oft keine Geduld hatte, etwas zu kauen oder Dinge wieder hochgewürgt hat. Dass sie mit 8, 10, 12 oder auch 16 Monaten irgendwas halbwegs Festes gekaut und geschluckt hätte – schwer vorstellbar. Aber nach der Lektüre des Buches bin ich trotzdem absolut überzeugt von dem Ansatz. Das klingt alles so stressfrei und entspannt. Man bietet dem Kind sobald es sitzen kann an, am Tisch dabei zu sein und sich am Essen zu bedienen (Fingerfood). Es werden keine speziellen Kindersachen aufgetischt, sondern man bietet das an, was man selbst isst. Nudeln, Brot, gedünstetes Gemüse, Rohkost, Obst. Dass davon in den ersten Monaten kaum was im Bauch landet und man regelmäßig ein Schlachtfeld hat, ist dann eben so ein bisschen der Haken daran. Dafür soll man später dann ein deutlich entspannteres Familienessen genießen können, weil man weder Brei zubereiten, noch das Kind füttern muss. Mit den zunehmenden motorischen Fähigkeiten, nimmt auch die Menge dessen zu, was das Kind sich selbst einverleibt und die tägliche Milchmenge wird so sukzessive reduziert.

Neben der Erklärung dazu, was BLW ist, wie es funktioniert, wie man es angeht und worauf man achten muss, gibt es viele Erfahrungsberichte von Müttern. Die meisten davon haben mehrere Kinder und es beim ersten eben auch “klassisch” gehandhabt, weswegen sie den großen Unterschied und den Vorzug zum BLW besonders deutlich schildern können. Wir erfahren, welche Lebensmittel sich gut eignen, wie die Versorgung des Kindes gewährleistet wird, welche Entwicklungen sich in welcher Zeit einstellen und, wie man das Kind in seinem Lernen unterstützen kann.
Ich persönlich lerne, dass ich mir viel zu viele Sorgen gemacht habe, mir, meinem Bauchgefühl und der Ernährung mit Milch zu wenig vertraut und dafür viel zu sehr auf mein Umfeld gehört habe, das mich zur Beikosteinführung gedrängt hat. Hätte ich das Buch vorher gelesen, ich hätte mir den Stress geschenkt und nicht nach dem vierten, sondern eben erst nach dem sechsten Monat mit Beikost angefangen. Ich hätte nicht stundenlang versucht so ein doofes halbes Gläschen Karotte in mein Baby zu kriegen, das doch viel weniger Kalorien hat als Milch. Ich hätte geduldiger gewartet bis sie wirklich von sich aus nach dem Essen greift und hätte mein Umfeld angehalten, sich da rauszuhalten. Aber jetzt sind wir eben da, wo wir jetzt sind.

Wie gesagt, rückblickend, während ich meine Tochter mühsam dazu bringe wenigstens ein paar Löffel zu essen, indem ich sie füttere und ihr gut zurede, klingt das einfach zu gut, um möglich zu sein. Und nach heute (ich war zuvor nach der Lektüre absolut euphorisch, dass dieses Prinzip auch bei uns funktioniert hätte) – einem Tag, an dem Madame mit ihren mittlerweile 2 Jahren wieder alles (!) an Essen abgelehnt hat, habe ich dann aber doch wieder gewisse Bedenken. Ich glaube, dass der Ansatz bei Kindern prinzipiell funktioniert, wenn diese nicht extrem mäkelige Esser sind oder solche Probleme beim Kauen/ Schlucken haben wie wir sie hatten. Das jetzt noch auszuprobieren, ist leider etwas spät, aber ich kann nur allen Eltern, die den Wechsel von Milch zu fester Nahrung noch vor sich haben, absolut Mut zusprechen, es zumindest zu probieren. Jeder Löffel, den ihr eurem Kind später nicht geben müsst, ist für euch eine Entlastung und fürs Kind ein Schritt in Richtung Selbstbestimmtheit. Dafür hätte ich liebend gerne auch einmal mehr den Esstisch geputzt.

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