Und weil ich es gerade mit den Elternratgebern so habe, landet auch schon der nächste auf meinem Tisch: “Warum dänische Eltern entspannter sind: Die persönlichen Erziehungsgeheimnisse der glücklichsten Familien der Welt” erklären uns Iben Sandahl und Sarah Zobel (mosaik Verlag). Viel Ansätze und Gedanken kenne ich bereits aus den BO-Ratgebern, dieser ist aber noch ein ganzes Stück persönlicher, weil die beiden Autorinnen viel von sich selbst preisgeben.

Beide sind Mütter mehrerer Kinder und kennen daher die kleinen und großen Konflikte des Elterndaseins sehr gut. Was es bedeutet, Eltern zu sein, welche Anforderungen wir und unsere Umwelt an uns stellen, worauf wir achten müssen, das sind die ersten Themen, die uns hier begegnen. Denn auch hier  wird darauf verwiesen, dass viele unserer Handlungs- und Verhaltensweisen aus unseren eigenen Erfahrungen in der Kindheit rühren. Wie wir den Weg zu uns selbst finden, um uns diese teils verborgen liegenden Erlebnisse bewusst zu machen und so zu verhindern, dass wir unbewusst Dinge auf unsere Kinder projizieren, darum geht es im ersten großen Kapitel. 

Dabei berichten die beiden Autorinnen einerseits aus ihrer Kindheit, aus ihrem aktuellen Familienleben aber auch aus Erlebnissen ihres Berufsalltags, in dem sie mit Kindern und Eltern arbeiten. Da gib es tatsächlich auch bei mir den ein oder anderen aha-Moment, der mir die Augen öffnet. 
Einfühlsam schildern die beiden, wie wichtig es für die Kinder ist, dass wir ihnen Selbstvertrauen schenken, indem wir ihnen vertrauen, sie anleiten, ihnen aber auch die Möglichkeit geben, sich im Rahmen ihrer altersmäßigen Fähigkeiten auszuprobieren. Aber nicht  nur Selbstvertrauen, sondern auch Selbstwert muss “gelernt” werden: “Du bist gut, so wie du bist” lautet hier das eingängige Mantra. 

Das Kind nicht verbiegen, seine Eigenheiten annehmen und wertschätzen, dem Kind entgegenkommen und seine individuellen Bedürfnisse erkennen. Das alles geht nur mit Ruhe, Stille, Achtsamkeit, Zeit, Präsenz, Aufmerksamkeit, Zugewandtheit und Einfühlung. Erfahrungsberichte, Tipps und kleine Übungen runden die Kapitel ab und ich gebe zu, dass ich bei vielen Erläuterungen dachte, dass ich das tatsächlich mal auf dem Wege versuchen muss. Meine Tochter ist mit 30 Monaten noch etwas kleiner als die Kinder der beiden, aber ich glaube, dass gerade die Aspekte mit der Wahrnehmung, dem völligen “sich auf das Kind einlassen und seine Bedürfnisse spüren” bei uns gut klappen kann. Auf Augenhöhe versuche ich ihr tatsächlich meist zu begegnen, klappt allerdings nicht immer.

Ein ganzes Kapitel gibt es auch zum Umgang mit digitalen Medien, aber das kann ich zum Glück derzeit noch überblättern, weil das bei uns noch nicht wirklich Thema ist. 

Was mir auffällt, ist die Häufung von Tipps für Alleinerziehende bzw. getrennt lebende Eltern. Das rührt sicherlich daher, dass eine der beiden Autorinnen von den beiden Vätern ihrer Kinder getrennt ist, nimmt aber gefühlt einen recht großen Platz ein – für alle, die gerade nach solchen Ratgebern suchen also vielleicht eine ganz dankbarer Hinweis. 

Ein bisschen esoterisch angehaucht ist das Buch und ich würde den Punkt der “dänischen Eltern” gar nicht so betonen, weil es schlicht keine Rolle spielt (ist wahrscheinlich eher ein Marketingaspekt, weil sich Hygge und Co gerade so gut verkaufen) – abgesehen davon liest es sich aber ganz wunderbar und gibt viele liebevolle und wertvolle Denkanstöße für ein entspanntes und wertschätzendes Miteinander von Eltern und Kindern. Nicht nur in Dänemark 😉

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